Teil 4

Sie steht mit ihm im Laden und ist nervös. Vor ihr steht Essen, sie soll aussuchen, was sie haben will. Die Entscheidung würde ihr schwer fallen, also hat sie keine Extrawünsche. Scham kriecht in ihr hoch, als sie bedient wird. Sie denkt daran, dass sie das Essen vor ihm essen wird. Es fällt ihr nicht mehr so schwer wie einst, da hätte sie nein gesagt, trotz, dass er sie einlädt und für sie bezahlt. Sie schaut zu ihm hoch, als gefragt wird, ob sie hier essen wollen. Sie will, dass er entscheidet. Sie kommt sich klein vor, sie sucht Schutz bei ihm in seiner Entscheidung.
Sie greift nach dem Essen, wartet bis er bezahlt hat und bedankt sich leise bei ihm. Das Bedanken fühlt sich komisch an, als wäre der Akt seines Bezahlens Selbstverständlichkeit, als wäre es nie anders gewwesen. Als wäre es nur natürlich, dass er das Essen für beide bezahlt. Sie fühlt sich geschmeichelt, aber es fällt ihr schwer es anzunehmen, ihr Herz für ihn zu öffnen.
Er will noch auf den Weihnachtsmarkt. Sie nickt und folgt ihm. Sie würde ihm überall hin folgen. Sie würde nicht nein sagen. Zu groß ist der Wunsch mit ihm zusammen zu sein, seine Nähe zu spüren, seine Stimme und Lachen zu hören. Nebeneinander her gehen sie zum Markt, bleiben kurz vorher stehen, damit er seinen Döner aufessen kann, weil er sich noch etwas anderes kaufen will.
Der Schnee lässt die Straße rutschig sein und sie krallt sich kurzweilig in seinen Jackenärmel fest, als es drei Schritte abwärts geht, aus Angst auszurutschen. Sie warnt ihn vor, dass sie ihn berühren wird. Denn sie weiß, dass er körperliche Nähe nur bedingt zulassen mag und dieser meist aus dem Weg geht. Doch er lässt es zu. Lässt sie gewähren, ohne dass er vor ihr zurück zuckt.
Als er sich in die Schlange am Stand einreiht, steht sie ein wenig abseits und wartet. Kurz treffen sich ihre Blicke und sie lächelt leicht. Sie möchte bei ihm stehen. Neben ihm warten und reden. Aber dann würden andere denken, dass sie ein Par wären. Sie wünschte, dass dem so wäre. Sie möchte trotz allem, trotz der Ängste und der Vergangenheit, der Krankheit und dem Charakter, mit ihm zusammen sein. Doch in seiner Nähe und die Blicke der anderen, die davon ausgehen, würde ihr nur noch mehr bewusst werden, dass ihr Wunsch nicht der Wahrheit entspricht. Dass sie nicht mit ihm zusammen ist. Dass sie zu viel Angst davor hat, ihre Gefühle zu offenbaren.
Sie lässt ihren Blick über das Karrussel streifen und die kleinen Weihnachtsbuden und die Lichter. Die Fenster des Kirchturms sind mit Lichterketten umrandet und tauchen die alten Steine in einen geheimnisvollen Glanz.
Ihr Herz füllt sich mit einem Glücksgefühl. Sie weiß um seine Nähe, auch wenn sie ihn nicht ansieht. Sie weiß, dass er nur wenige Meter entfernt steht. Sie hört ein Weihnachtslied und fühlt sich seelig. Sie genießt diesen Moment so sehr und atmet tief ein. Als ob sie die Atmosphäre einatmen und in sich behalten könnte. Als ob sie diesen Moment einfrieren könnte.
20.12.10 11:41
 


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